Band II - Erster Teil Ruf Gottes - Antwort des Menschen
Seite 82 Seite: 83 Seite 84
Darber hinaus gibt es eine Verantwortung, aus der eine Gemeinschaft fr die Folgen einzustehen hat, die aus bestimmten Handlungen der Gemeinschaft erwachsen sind. So kann es sein, da ein Volk als ganzes die Folgen eines Krieges zu tragen hat, auch wenn viele keine persnliche Schuld auf sich geladen haben. Hier ist gefordert, da sich alle in Solidaritt bemhen, den aus Unrecht entstandenen Schaden nach Mglichkeit wiedergutzumachen.

Die sittliche Freiheit des einzelnen kann nicht nur durch die Gemeinschaft, in der er lebt, mitgeprgt sein, sondern auch durch seine eigene Vergangenheit. Das Versagen der Vergangenheit beeintrchtigt sein Handeln in der Gegenwart. Echte Umkehr bewirkt Neuorientierung. Aus der Geschichte der Schuld kann so ein Anla und Ansto zu einem Neuanfang werden.

Das geschichtliche Dasein des Menschen bringt es mit sich, da der Mensch seine innere Entscheidung fr oder gegen Gott in immer neuen Handlungen treffen mu. Es gibt nicht nur die Grundentscheidung der Snde gegen Gott, sondern auch die Snden in der Mehrzahl, in denen die Grundentscheidung gegen Gott sich immer erneut ausdrckt und verstrkt. Dabei knnen die einzelnen Verfehlungen von unterschiedlicher Schwere sein.

2.4. Todsnde - lliche Snde, schwere Snde - leichte Snde

Die Tatsache, da bereits die Bibel von der einen Snde und den vielen Snden sowie von Snden von grerem und von geringerem Gewicht spricht, hat in der kirchlichen Tradition dazu gefhrt, da nach genaueren Unterscheidungen gesucht wurde. Das geschah vor allem in Verbindung mit der Bupraxis und spter mit der Buform der geheimen und hufigeren Beichte. Dabei kam es zu unterschiedlichen Aufteilungen.

Seit dem 4. Jahrhundert gibt es die Unterscheidung von Todsnde und llicher Snde. Diese wird im 11. Jahrhundert allgemein gebruchlich. In der Theologie der Scholastik im 12. und 13. Jahrhundert wird Todsnde als Abkehr vom letzten Ziel und als Handlung gegen die Liebe, lliche Snde dagegen als Unordnung in den Mitteln zum Ziel bzw. als unvollstndiger menschlicher Akt verstanden. Mit der Bestimmung des Konzils von Trient, da alle Todsnden nach Zahl, Art und artverndernden Umstnden zu beichten sind (vgl. DS 1679-1681, 1707), setzte ein
Seite 82 Seite: 83 Seite 84